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Deutschland

Offizielle Amtssprache: Deutsch

Einheimische Sprachfamilien: Germanisch, Slawisch


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Bundesweite Sprachgruppen

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Allgemein gibt es eine Tendenz, daß sich Sprache in Deutschland an politischen Grenzen orientiert. Grenzen werden schnell zu Sprachgrenzen. So unterscheidet sich das Alemannische in Bayern von dem in Baden-Württemberg, das Hochdeutsch in Niedersachsen ist leicht verschieden von dem in Nordrhein-Westfalen. Dabei ist die Verschiedenheit etwas träge. Es läßt sich z.B. auch eine Sprachgrenze zwischen Baden und Württemberg beobachten. Eine allgemeine Nivellierungstendenz besteht zumindest seit den 50er Jahren durch die Binnenwanderung. Dadurch näherte sich in der alten Bundesrepublik die Sprache dem (im Nordwesten entstandenen) Mediendeutsch an. Unter Mediendeutsch ist Standarddeutsch (Hochdeutsch) zu verstehen; dieses hat aber über Jahrhunderte keine festgelegte Aussprache. Es galt lediglich die sächsische Aussprache als die beste. Mit der Annahme des Hochdeutschen als Umgangssprache (zunächst im Nordosten, dann im Nordwesten) entstand eine neue Aussprache auf der Basis der Vermischung von sächsischen mit niedersächsischen und ripuarischen Elementen. Dies hat sich in den Jahrzehnten darauf noch weiter entwickelt und vereinheitlicht. In jüngster Zeit wird dieses Mediendeutsch ersetzt durch ein neues Mediendeutsch, das vornehmlich auf dem alten beruht, aber die niedersächsischen Einflüsse weitgehend durch rheinische, moselfränkische und rheinfränkische ersetzt, in allerjüngster Zeit auch mit berlinerischen Einflüssen. In der DDR entstand durch die politische Isolation vom Rest des "deutschen" Sprachgebiets in gewissem Maße ein eigenes Mediendeutsch durch Ersetzung eines Teils der niedersächsischen und ripuarischen Elemente durch berlinerische und sächsische. Letzteres weicht seit der Wende teilweise dem gesamtdeutschen Mediendeutsch. Die Unterschiede zwischen den beiden Varianten des Mediendeutsch waren immer sehr fein; dennoch geben sie einem großen Teil der Deutschsprecher die Möglichkeit, ehem. DDR-Bürger als solche an ihrer Sprache zu erkennen, auch wenn sie sich dieses Mediendeutschen bedienen. Sie betreffen aber auch den Wortschatz: So sprach man in der DDR eher von "Sonnabend" als von "Samstag" (allerdings ist auch in Ostniedersachsen und Schleswig-Holstein Sonnabend die vorherrschende Form). Ähnliches gilt für Bayern: Auch das dortige Mediendeutsch weicht einige Besonderheiten auf. In Bayern gibt es aber mehr Variation. Das bayerische Mediendeutsch wird von vielen nur in bayerischen Medien benutzt.

Bundesweite Sprachgruppen

Vertriebene/Aussiedler"Gastarbeiter"Jüngste Entwicklungen

Verbreitetste Umgangssprachen: Türkisch, Russisch, (Polnisch), Deutsch/[Ostmitteldeutsch], [Ostniederdeutsch/Niederpreußisch], {Kanakisch}

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Vertriebene/Aussiedler

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges kamen Sprecher oder Nachkommen von Sprechern (süd-)germanischer Sprachen, also Niedersächsisch, Fränkisch oder Deutsch, die in früheren Jahrhunderten nach Osten ausgewandert sind, bzw. die Nachkommen von Menschen, die in den ehemaligen deutschen Ostgebieten vor einigen Jahrhunderten germanisiert wurden. Zu dieser Gruppe sind auch viele Menschen zu rechnen, die (noch) nicht germanisiert waren, sich aber "als Deutsche fühlten", wie Masuren, Nehrungskuren, Oberschlesier, Slowinzen. Von dieser Personengruppe gab es seit dem Zweiten Weltkrieg einen meist eher schwachen, in den Vierziger und Neunziger Jahren starken Einwandererstrom in das Deutschland der heutigen Grenzen, genauer meist in die ehem. Bundesrepublik. In den ersten Jahrzehnten sprachen diese Menschen zum Zeitpunkt der Einwanderung einen germanischen Dialekt (oder Masurisch, Nehrungskurisch usw.), in späteren Jahrzehnten kamen Menschen hinzu, die bereits Russisch oder Polnisch sprachen, in jüngster Zeit kommen fast nur noch Russisch- oder Polnischsprachige. Die Russisch- oder Polnischsprachigen verhalten sich oft wie die übrigen Einwanderer, die in größeren Gruppen im Land leben; es besteht eine Tendenz zur Ghettoisierung. Neben den Einwanderern deutscher Herkunft dürfen auch jüdischstämmige Ex-Sowjetbürger nach Deutschland einwandern. Auch ihre Sprache ist heute in aller Regel Russisch, ihre frühere Sprache, Jiddisch, ist in dieser Gruppe praktisch ausgestorben.

Die Germanischsprecher behalten teilweise ihren Dialekt, teilweise bemühten sie sich darum, Hochdeutsch oder den örtlichen Dialekt zu lernen, so sie nicht schon vorher hochdeutsch sprachen. Ihre Kinder übernahmen regelmäßig den örtlichen Dialekt bzw. das örtliche Hochdeutsch. Die Auswanderungsgebiete sind:

Die aus Polen kommenden Aussiedler kamen meist in den 40er Jahren sowie in den Jahrzehnte darauf, vor allem Oberschlesier kamen eher später. Die Hochphase der Auswanderung aus Rumänien und Ungarn waren die 70er und 80er Jahre, die der Aussiedlung aus Mittelasien die 90er. Die übrigen kamen unmittelbar nach Kriegsende.

Die aus Mittelasien stammenden sind die einzigen, die in ihrer überwiegenden Mehrheit keine germanische Sprache sprechen, sondern meist Russisch (außer den Mennoniten). So entstand eine russischsprachige Minderheit in Deutschland (und eine plautdietschsprachige). Ihr Zentrum sind Westniedersachsen und Westfalen. Hier bleibt auch zumindest die erste Generation nach der Einwanderung russischsprachig.

Sprachen der Aussiedler:

"Gastarbeiter"

Seit den Fünfziger Jahren hat es Einwanderung von Türken (größte Gruppe mit fast 2 Mio.), Griechen, Spaniern, Italienern, Portugiesen und Bewohnern des ehemaligen Jugoslawien in die damalige Bundesrepublik gegeben. Die zweite und dritte Generation spricht entweder in der Regel nur Deutsch, beherrscht aber die Elternsprache, pflegt code switching zwischen Deutsch und der Elternsprache, oder spricht "Kanakisch". "Kanakisch" ist eine Pidgin-Sprache auf deutscher Basis mit vor allem türkischen Einflüssen; sie ist erst in jüngster Zeit entstanden und wird vor allem von Jugendlichen gepflegt - auch von Jugendlichen deutscher Herkunft. Deutsch heißt in diesem Fall in der Regel Mediendeutsch, nur in Dörfern und kleineren Städten Süddeutschlands auch ein Kontinuum zwischen dem Erbdialekt und moderner regionaler Umgangssprache, sehr selten reinen Erbdialekt.

Jüngste Entwicklungen

Insgesamt dürften aber inzwischen in Deutschland und in allen anderen westeuropäischen Ländern Einwanderer aus fast allen Ländern der Erde leben. Die übrigen Minderheiten konzentrieren sich vor allem in großen Städten, sind aber fast überall zu finden. Das Deutsch der Minderheiten ist in der Regel Standard-Deutsch, je nach Familie mit mehr oder weniger Substrat aus der ursprünglichen Sprache; lediglich im Süden finden sich auch ausländische Dialektsprecher. Zur Zeit wird in der Altersklasse der 10-20jährigen vor allem das türkische Substrat ausgebaut und teilweise auch von deutschstämmigen Gleichaltrigen aufgegriffen; das Ergebnis wird als »Kanak-Spraak« bezeichnet.

Seit deutlich längerer Zeit leben Sinti und Roma in Deutschland sowie in fast jedem anderen Land Europas. Sie sprechen neuindische Sprachen, die beeinflußt sind von den Sprachen der »Gastländer«.

Der Ethnologue listet noch folgende Sprachen auf: Abaza 80, Adyghe 2,000, Tosk Albanian 25,000, Algerian Spoken Arabic 26,000, Moroccan Spoken Arabic 44,200, Tunisian Spoken Arabic 26,000, Assyrian Neo-Aramaic, Behdini, Catalan-Valencian-Balear, Chaldean Neo-Aramaic 3,000, Chechen, Dimli, Dutch 101,000, English 110,000, Western Farsi 90,000, Western Frisian, Greek 314,000, Hausa, Hebrew, Hindi 24,500, Italian 548,000, Japanese 20,000, Jutish, Kabuverdianu 3,000, Kalmyk-Oirat, Kazakh, Kirmanjki, Korean 14,000, Kurmanji 480,000, Latvian 8,000, Laz 1,000, Osetin, Portuguese 78,000, Russian 360,000, Serbo-Croatian 652,000, Spanish 134,000, Tamil 35,000, Turkish 2,107,426, Turkmen, Turoyo 20,000, Urdu 23,000, Uyghur, Vietnamese 60,000, Chinese 40,000, people from Afghanistan 29,000, possibly Northern Uzbek.

Geschichte der bundesweiten Sprachgruppen

Juden

Seit dem Fränkischen Reich gab es zunächst keine Minderheiten mehr. Im 9. Jh. wanderten allerdings Juden ein. Sie lebten zunächst in Südwestdeutschland, vor allem in der Pfalz. Diese übernahmen relativ bald die fränkischen, meist pfälzischen Dialekte ihrer damaligen hauptsächlichen Umgebung. Sie lebten aber isoliert von ihren Mitbürgern, so daß ihre Dialekte sich eigenständig entwickelten; außerdem enthielten sie zahlreich hebräische Lehnwörter. In den darauffolgenden Jahrhunderten verbreiteten sich die Juden im ganzen Reich, behielten aber ihre pfälzischen Dialekte, jetzt Jiddisch genannt, bei. Seit den Progromen im Hochmittelalter, vor allem im 14. Jh., verließen viele Juden das Reich und siedelten sich im damaligen Polen an; dazu gehörte damals auch Westpreußen. Dort entstanden die ostjiddischen Dialekte; die im Reich gesprochenen wurden nun Westjiddisch genannt.

Die im Reich gebliebenen emanzipierten sich im 18., endgültig im 19. Jh. Viele assimilierten sich. Im Verlauf des 19. Jhs. starb das Westjiddische aus. Gleichzeitig wanderten aus Polen Ostjuden ein, die teilweise ihr Ostjiddisch bewahrten, sich teilweise auch assimilierten.

Zwischen 1933-1945 wurde fast alle Juden vertrieben oder umgebracht. Heute gibt es fast keine Juden mehr in Deutschland. Die wenigen, die es gibt, sprechen Hochdeutsch, teilweise auch Hebräisch, weil sie zeitweise in Israel leben. Erst seit den 90er Jahren wandern wieder viele Juden nach Deutschland. Diese kommen heute aus der Sowjetunion und sprechen in aller Regel (ausschließlich) Russisch.

Zigeuner

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Ostflüchtlinge

Mindestens ein Drittel der heutigen als einheimisch zählenden Bevölkerung in Deutschland sind Flüchtlinge oder Nachkommen von Flüchtlingen, die nach 1945 die damaligen deutschen Ostgebiete sowie das Sudetenland verlassen mußten. Obwohl das Sudetenland zu Österreich gehört hatte, kamen sie alle nach Deutschland. Dabei gab es geographische Präferenzen: Ostpreußen und Pommern siedelten sich vor allem in Norddeutschland an, Sudeten in Bayern. Die übrigen Flüchtlinge verteilten sich über das ganze Land. Nur ins Saarland konnten sich nicht einreisen, auch Rheinland-Pfalz kannte nur verhältnismäßig wenige Einwanderer. Später kamen auch Umsiedler, die zur deutschen Minderheit mehrerer osteuropäischer Staaten gehört hatten, ins Land. Dies gilt in verstärktem Maße seit 1990, seitdem vor allem aus der ehem. Sowjetunion Angehörige der deutschen Minderheit und ihre Angehörigen einreisen. Sie sprechen meist nur noch Russisch, im Gegensatz zu früheren Gruppen. Sie neigen daher zur Ghettoisierung, Russisch bleibt ihre wichtigste Umgangssprache.

Binnenwanderung (ohne Ostflüchtlinge)

Bis ins 19. Jh. spielte Binnenwanderung in Deutschland keine Rolle. Sie kam nur vereinzelt vor, meist unter Akademikern. Seit dem 19. Jh. hat Binnenwanderung zugenommen. Es gab Auswanderungswellen vor allem aus Masuren und anderen damals nordostdeutschen Gebieten ins Ruhrgebiet, aus peripheren Gebieten Preußens, vor allem aus Schlesien, nach Brandenburg und Berlin. In beiden Fällen unterstützte die Binnenwanderung den Sprachwechsel vom Plattdeutschen zum Hochdeutschen. Auch nach Oberschlesien gab es Wanderungsbewegungen, sowie in die polnischsprachigen Gebiete, die zwischen 1772 und 1918 jeweils zu Preußen gehörten.

Seit den letzten Jahrzehnten gehen die Binnenwanderungsströme vornehmlich von Norden nach Süden, seit 1990 noch stärker von Osten nach Süden, also nach Baden-Württemberg und vor allem Bayern. Vor allem in Baden-Württemberg forciert die Wanderung die stärkere Durchsetzung der Umgangssprache durch hochdeutsche Elemente.

"Gastarbeiter" und Asylanten

Seit den 50er Jahren gab es zudem Einwanderung aus verschiedenen europäischen Staaten. Die größte Gruppe kam aus der Türkei. Türkisch ist seitdem die wichtigste Minderheitensprache in Deutschland. Türken bewahren in aller Regel auch in der dritten Generation ihre türkische Muttersprache, teilweise gibt es sogar in dieser Generation schlechte Deutschkenntnisse, während die übrigen Einwanderungsgruppen heute meist assimiliert sind, mit eventuellen zusätzlichen Kenntnissen der Herkunfts-Muttersprache. Es gibt also eine türkische Parallelkultur im Land. Die Einwanderung beschränkte sich auf die damalige BRD. Auch nach dem Mauerfall wanderten nur wenige ehem. "Gastarbeiter" in den Osten ein. In jüngster Zeit ist unter Türken eine Pidgin-Sprache "Kanak-Spraak" entstanden, die zur Jugendkult-Sprache mutiert und auch von deutschen Jugendlichen gepflegt wird.

Seit den 90er Jahren kommen Einwanderer aus der ganzen Welt, wenn auch jeweils nur in geringer Zahl. Die Zahl der in Deutschland gesprochenen Sprachen hat dadurch astronomische Zahlen erreicht, wobei nur jeweils wenige Menschen heute andere Sprachen als Deutsch, Türkisch oder Russisch sprechen.

Besatzungstruppen

Nur kurzzeitig relevant waren Besatzungstruppen. Sie gab es spätestens seit dem 30jährigen Krieg immer wieder, mit Unterbrechungen, von denen die längste von 1815-1920/1945 dauerte (im äußersten Westen gab es kurzzeitig in den 20er Jahren französische und belgische Besatzungstruppen). Zuletzt lebten Briten, Franzosen, Niederländer, US-Amerikaner und Sowjetbürger in Deutschland. Auch sie lebten in einer Parallelkultur. Die sowjetischen Soldaten verließen Deutschland 1994, die übrigen in den 90er und 2000er Jahren.

Zur genaueren Information und geschichtlichem Hintergrund vgl. die Seiten zu den einzelnen Bundesländern.