Ostmitteldeutsch

Schrift: Lateinisch (bis ca. 1920 in der Schweiz, 1941 im übrigen Sprachraum: hauptsächlich im Fraktur-Schriftstil)

Als Mitteldeutsch definiere ich hier diejenigen germanischen Dialekte, die als Folge einer Vermischung von Fränkisch, Alemannisch und Bairisch, tlw. auch Niederfränkisch entstanden sind. Substrat waren wohl auch Niederländisch und Niedersächsisch.

Diese Klassifizierung weicht von der üblichen ab, in der meistens fränkische und mitteldeutsche Dialekte nach der Frage zusammengefaßt werden, ob die hochdeutsche Lautverschiebung vollständig durchgeführt wurde.

Unter dem gemeinsamen Konzept ist das hier als Mitteldeutsch bezeichnete dann Sächsisch-Thüringisch. Thüringisch ist aber eine ursprünglich eigenständige, dann aber stark frankisierte Sprache, die hier deshalb unter Fränkisch gefaßt wird. Den Effekt, daß verschiedene elb- und rheingermanische Sprachen eine neue Mischsprache schufen, finden wir nur in den Kolonialdialekten. Dessen westlichster ist das Sächsische bzw. noch das Ostthüringische.

Es bestehen keinerlei Sprachgrenzen zu den übrigen elb- oder rheingermanischen Sprachen. Deutlich ist die Sprachgrenze zum Niedersächsischen und natürlich zu den slawischen Sprachen. Die niedersächsische Sprachgrenze ist durch die Existenz neuer deutscher Dialekte auf niedersächsischem Substrat im Osten etwas verunklart.

Das Mitteldeutsche, genauer das Obersächsische, ist die Grundlage der deutschen Schriftsprache. Diese Schriftsprache benutzen alle Sprecher des Fränkischen, Alemannischen und Bairischen sowie Teile der Niedersächsisch- und Niederfränkischsprecher sowie die Sprecher des Ost- und Nordfriesischen. In der Bundesrepublik Deutschland werden die übrigen Sprachen zunehmend durch den Schriftdialekt des Deutschen verdrängt, den man auch Hochdeutsch nennt. Dabei bilden sich unter dem Substrat des Erbdialekts neue Dialekte. Im sächsischen Raum hat ein solcher Prozeß mit ständig größer werdenden Nähe zum Standard möglicherweise mehrfach stattgefunden. Dies verlief weitestgehend gleichzeitig mit dem Ausgreifen des Ostmitteldeutschen nach Norden, in ursprünglich niederdeutsche Gebiete. Der älteste Dialekt außerhalb dieses Raums ist das Berlinerische, das schon im 17. Jh. mit ostniederdeutschem Substrat entstand. Heute kommt das Ruhrdeutsche hinzu (das ein Kontinuum auf dem Substrat westfälischer und niederrheinischer Dialekte bildet), in jüngster Zeit das sog. Kanakische, das aber tlw. wie eine Kreolsprache wirkt. Es gibt auch eine richtige Kreolsprache auf deutscher Grundlage: Unserdeutsch in Papua-Neuguinea.

Dialektgruppen

gesprochen in:

Gunter Bergmann (1990): Upper Saxon, in: Charles V.J. Russ (Hrsg.): The Dialects of Modern German: A Linguistic Survey, London: Routledge.


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