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Niedersachsen (Deutschland)

Offizielle Amtssprache: Deutsch

Einheimische Umgangssprachen: ·Mitteldeutsch (Hochdeutsch), Niedersächsisch, (Ostniederdeutsch), Saterfriesisch, (Pfälzisch/Thüringisch)

Lkr. Ammerland Lkr. Aurich Lkr. Grafschaft Bentheim Lkr. Celle
Lkr. Cloppenburg Lkr. Cuxhaven Lkr. Diepholz Lkr. Emsland
Lkr. Friesland Lkr. Gifhorn Lkr. Goslar Lkr. Göttingen
Lkr. Hameln-Pyrmont Lkr. Harburg Lkr. Helmstedt Lkr. Hildesheim
Lkr. Holzminden Lkr. Leer Lkr. Lüchow-Dannenberg Lkr. Lüneburg
Lkr. Nienburg/Weser Lkr. Northeim Lkr. Oldenburg Lkr. Osnabrück
Lkr. Osterholz Lkr. Osterode am Harz Lkr. Peine Lkr. Rotenburg
Lkr. Schaumburg Lkr. Soltau-Fallingbostel Lkr. Stade Lkr. Uelzen
Lkr. Vechta Lkr. Verden Lkr. Wesermarsch Lkr. Wittmund
Lkr. Wolfenbüttel Braunschweig Delmenhorst Emden
Oldenburg (Oldenburg) Osnabrück Salzgitter Wilhelmshaven
Wolfsburg Region Hannover Geschichte

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Für die sprachliche Situation in Niedersachsen muß man zwei Epochen betrachten: bis ca. 1970 und seitdem.

Seit ca. 1970 setzt sich das Standarddeutsche als Schriftsprache flächendeckend durch. Auf nennenswerten Widerstand trifft es nur noch in Ostfriesland und im Saterland. Somit sind nach 1970-1980 geborene in aller Regel Muttersprachler des Standards, wie er in Radio und Fernsehen zu hören ist, mit einem norddeutschen Substrat. Dieses Substrat ist im Norden stärker, im Süden vor allem unter Akademikern schwächer. Unter diesen Jüngeren spricht nur noch eine Minderheit die Sprachen, die bis in die 70er in Niedersachsen vorherrschend waren. Von dieser Einheitlichkeit weichen nur die nach 1950 gekommenen Einwanderer ab, die in der 2., 3. und 4. Generation teilweise noch ihre Herkunftssprache sprechen, meist neben Hochdeutsch (oder Kanakisch).

Die traditionellen sprachlichen Verhältnisse in Niedersachsen sind demgegenüber: ein friesischsprachiges Gebiet im Saterland (heute eine Samtgemeinde im Lkr. Cloppenburg), ein nordthüringischsprachiges Gebiet am Südostrand im Südharz, eine winzige pfälzische Sprachinsel in einem Stadtteil Braunschweigs, ein erzgebirgischsprachige Enklave im Oberharz zwischen Lautenthal und St. Andreasberg (um Clausthal-Zellerfeld), sowie ein großer niedersächsischsprachiger Rest.

Das niedersächische Gebiet teilte sich auf in ein (kleines) westfälisches (das zum Ostwestfälischen gehört: Stadt und Südkreis Osnabrück), ein ostfälisches im Südosten sowie ein ostniederdeutsches im Landkreis Lüchow-Dannenberg sowie dem Amt Neuhaus (das erst seit 1994 zu Niedersachsen gehört). Der Rest wird in der Germanistik als Nordniedersächsisch zusammengefaßt. Möglicherweise ist auch eine Trennung in Westniedersächsisch und Nordniedersächsisch sinnvoll. Unter den westniedersächsischen Dialekten sticht das Ostfriesische Platt hervor, aufgrund seines friesischen Substrats (s. Geschichte). Außer dem Ostfriesischen Platt kann man die westniedersächsischen Dialekte noch in Emsländisch, Lingener Platt, Hümmlinger Platt, Oldenburgisch, Südoldenburgisch, Bentheimisch und Nordosnabrückisch unterteilen. Das Lingener Platt bildet den Übergang zum Westfälischen, vor allem im äußersten Süden um Salzbergen, Spelle und Emsbüren, das Oldenburgische ist schon dem Nordniedersächsischen (i.e.S.) nahe. Die nordniedersächsischen (i.e.S.) Dialekte Niedersachsens werden als Nordhannoverisch zusammengefaßt.

Die traditionelle Sprachsituation wurde seit der ersten Hälfte des 19. Jhs. verändert, als die Oberschicht der Großstädte Ostfalens (Hannover, Braunschweig usw.) die Schriftsprache zu einer Umgangssprache ausbaute und das Niedersächsische zugunsten dieser neuen Umgangssprache aufgab. Die Grammatik wurde dabei leicht ostfälisch beeinflußt, die Aussprache beruhte auf einer Mischung des bis dahin als Norm geltenden (Ober-)Sächsischen und dem ostfälischen der Region. Man wollte sich schließlich abgrenzen. In der zweiten Hälfte des Jhs. weitete sich diese neue Sprache auch auf die übrigen größeren Städte aus, teilweise auch auf die Oberschicht in ländlichen Regionen. Dabei veränderte sie sich nochmals. Um die Jahrhundertwende begannen auch die übrigen Schichten in den größeren Städten das Hochdeutsche zu übernehmen, allerdings meist mit stärkerem niedersächsischen Substrat. In der ersten Hälfte des 20. Jhs. gab es also zunehmend hochdeutsche größere Städte neben weitgehend niedersächsischsprachigen ländlichen Gebieten. Dabei entwickelte sich das Hochdeutsche in zwei Richtungen: es kamen andere Substrate hinzu, und es entwickelte sich sozial auseinander. In nicht-akademischen Kreisen außerhalb Ostfalens war das Substrat deutlich, auch in der Aussprache, die meist stark westfälisch oder nord- bzw. westniedersächsisch geprägt war. In akademischen Kreisen flossen andere Substrate in subtilerer Weise ein, führten zu großräumigeren Varianten und bereiteten die Grundlage für die heute in Radio und Fernsehen vorherrschende Aussprachevariante. Dadurch wurde die ostfälische Aussprache zu einer regional markierten.

Seit dem 2. Weltkrieg griff das Hochdeutsche auf die ländlichen Räume aus, zuerst auf den Süden und Osten, dann auf den Norden und Westen. Um 1970-1980 erreichte sie die letzten noch fast rein niedersächsischen Gebiete wie den Hümmling, das Emsland und das Land Hadeln. Lediglich im ostfriesischen und saterfriesischen Raum konnte es sich bis heute nicht ganz durchsetzen, auch diese Gebiete sind allerdings heute gemischt hochdeutsch-niedersächsisch/saterfriesisch. Dabei lief die Entwicklung außer im Saterland in den wenigen nicht-niedersächsischen Gebieten in gleicher Weise ab wie im Rest des Landes. Das Hochdeutsch der Oberharzer Jugend klingt so norddeutsch wie im übrigen Niedersachsen. Seit 1970 gleicht sich das Hochdeutsch der Akademiker in Niedersachsen an die Medienaussprache an, mit zunehmender Tendenz Richtung Süden. Unter Nicht-Akademikern bleibt das westfälische/ostfälische/nord-/westniedersächsische Substrat deutlicher.

Bis zum 2. Weltkrieg spielte Einwanderung nur eine untergeordnete Rolle. Erst nach 1945 kamen größere Gruppen von außerhalb Niedersachsens ins Land. Zunächst die deutschstämmigen Flüchtlinge, seit den 50er Jahren die "Gastarbeiter". Zu ihren sprachlichen Verhältnissen vgl. den Eintrag zu Deutschland.

Als Schriftsprache dient heute nur noch Hochdeutsch. Auch hier gab es früher mehr Varianz. Der Westen Niedersachsens ist überwiegend katholisch, hier diente Latein bis 1965 als Kirchensprache; im übrigen herrschte seit dem 17. Jh. Hochdeutsch als Schriftsprache vor. Daneben gibt es im Westen zwei kleine reformierte Enklaven: die Grafschaft Bentheim und das westl. Ostfriesland. Hier war Niederländisch Schriftsprache, Hochdeutsch wurde nicht benutzt. Erst um 1900 wechselte man hier zum Hochdeutschen als Schriftsprache. Lediglich im mehrheitlich lutherischen Osten hatte das Hochdeutsche als Schriftsprache seit dem 17. Jh. keine Konkurrenz.

Landkreis Diepholz

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Die Grenze zwischen dem westniedersächsischen und dem nordniedersächsischen Raum geht durch den Landkreis Diepholz (bzw. der Landkreis stellt den Übergangsraum dar). Nach Heeroma (1964) standen die westniedersächsischen Dialekte unter (relativ schwachem) westfälischem Einfluß. Dieser fehlt im Nordhannoverischen. Dabei orientiert sich auch kulturell der Westen des Landkreises, vor allem der Südwesten, nach Westen und Osnabrück hin, während der Osten bereits nach Hannover schaut (u.a. hier war auch die Weserrenaissance zu Hause) und der äußerste Norden um Syke bereits zum "Speckgürtel" Bremens gehört. Allerdings gehörte der gesamte heutige Landkreis Diepholz bis auf drei hessische (Auburg, Uchte, Freudenberg) und eine münstersche Enklave (Twistringen) schon seit dem 16. Jh. zu Hannover (und ist daher bis auf Twistringen lutherisch), was den Einfluß von Osten her verstärkt haben mag. Insgesamt gibt es keine deutliche Sprachgrenze zwischen beiden Dialektgruppen. Im äußersten Süden finden sich sogar (wenige) westfälische Elemente, andere Unterscheidungen (wie die e-Apokope) verlaufen in Nord-Süd-Richtung.

Ostfalen
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Südöstlich eine Linie Bückeburg, Stadthagen, Wunstorf, Celle, Uelzen wird traditionell Ostfälisch gesprochen.

Das ostfälische Sprachgebiet nimmt also den größten Teil der Landkreise Schaumburg und der Region Hannover ein, einen kleinen Teil der Landkreise Celle und Uelzen sowie die Landkreise Gifhorn, Helmstedt, Wolfenbüttel, Goslar (dort ist auch die oberharzische Enklave), Osterode am Harz (dessen Süden thüringischsprachig ist), Göttingen, Northeim, Hildesheim, Peine, Holzminden und Hameln-Pyrmont sowie die Städte Salzgitter, Wolfsburg und Braunschweig (dort mit einer pfälzischen Enklave).

Im Lkr. Nienburg wird traditionell Nordniedersächsisch gesprochen, er ist aber eher nach Hannover orientiert; seine sprachliche Entwicklung entspricht der in Ostfalen.

Das Ostfälische und die Dialekte des Lkr. Nienburg sind vom Aussterben bedroht. Die ostfälischen Städte waren die ersten im Altsiedelraum, in denen sich das Hochdeutsche als Umgangssprache durchsetzte (endgültig in der Generation der während des Ersten Weltkriegs geborenen). Daher galt einige Jahrzehnte lang die in Ostfalen (z.B. in Hannover und Celle) gesprochene Variante des Hochdeutschen als Standard, als "bestes Deutsch". Viele Leute glauben auch fälschlich, daß der hochdeutsche Standard den Dialekt von Hannover darstelle; sie wissen nicht, daß die letzten Plattsprecher in Hannover erst vor einigen Jahren gestorben sind und in Celle noch welche leben. In jüngster Zeit ist auch das hannoversche Hochdeutsch, das wohl Ende des 19. Jhs. entstand und wohl ein leichtes ostfälisches Substrat aufwies, wieder bedroht. Die jüngste Generation spricht mediendeutsch.

In einem Stadtteil von Braunschweig existiert eine pfälzische Sprachinsel, die gerade ausstirbt.

Der äußerste Südosten um Bad Sachsa ist bereits nordthüringisch-sprachig. Im Oberharz zwischen Lautenthal und St. Andreasberg (einschl. Clausthal-Zellerfeld) gibt es eine weitere mitteldeutsche Enklave, durch Einwanderer aus dem Erzgebirge vor ein paar Jahrhunderten entstanden. Die Unterschiede zwischen den mitteldeutschen und den niedersächsischen Gebieten bleiben auch nach dem Sprachwechsel spürbar.

Lkr. Göttingen und Northeim
[Lkr. Göttingen] [Lkr. Northeim. Weiß ist das unbewohnte gem.-freie Gebiet Solling.]

Zum äußersten Südwestzipfel Südniedersachsens gehört auch das Untereichsfeld.

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Allgemeine Umgangssprache ist heute Hochdeutsch. Die traditionellen Dialekte sind ausgestorben oder kurz davor. Die traditionellen Dialekte gehören zum Ostfälischen und sind das Göttingisch-Grubenhagische, das Untereichsfeldische und das Einbeckische. Die drei Dialektgruppen stellen des Südweserostfälische oder Strengweserostfälische dar (Meckel 1939). Es ist durch zahlreiche steigende Diphthonge gekennzeichnet, ähnlich dem Westfälischen westlich der Weser.

Im Nordwesten des heut. Lkr. Northeim wurde Nord-Weserostfälisch gesprochen. Das Untereichsfeld ist traditionell katholisch, das Gebiet um Plesse (Gem. Bovenden) reformiert, das übrige Gebiet lutherisch. Da das Kgr. Hannover der fast einzige Staat ach 1815 war, in dem einerseits sowohl Lutheraner als auch Reformierte lebten, diese andererseits aber keine Kirchenunion bildeten, sind Reformierte und Lutheraner auch heute noch zwei verschiedene Konfessionen. Die Sprachgrenze zum Niederhessischen fällt an der Südgrenze des Lkr. Göttingen mit der Landesgrenze zusammen. Sie ist heute noch fühlbar, da sich in Niedersachsen ein norddeutsches Substrat gehalten hat, in Hessen aber ein niederhessisches vorherrscht. Westlich der Weser wird übrigens auch auf hessischer Seite Hochdeutsch mit ostfälischem Substrat gesprochen, früher Ostfälisch

Geschichte

Zumindest der größte Teil der heutigen Landkreise Göttingen und Northeim war in der Antike wohl von den Chatten, einem germanischen Großstamm, besiedelt. Im ? Jh. wurde das Gebiet von den Sachsen erobert und bildete dort den sächsischen Hessengau. Im 8. Jh. kamen die Sachsen unter fränkische Herrschaft. Nach der Teilung des Fränkischen Reichs war die Region Teil des Stammeshzt. Sachsen im Ostfränkischen Reich, das später das Hl. Röm. Reich Dt. Nation wurde. Nach dessen Zerschlagung 1180 gehörte das Gebiet zum Hzt. Braunschweig-Lüneburg. Später kam das Untereichsfeld unter kurmainzische Herrschaft, die Herrschaft Plesse zu Hessen-Kassel, die Gegend um Gandersheim zu Braunschweig, der Rest zum Kurfürstentum Hannover. Dementsprechend bildete sich die religiöse Prägung heraus: Das Eichsfeld blieb katholisch, Plesse wurde schließlich reformiert, Hannover und Braunschweig lutherisch. Nach 1815 gehörte das gesamte Gebiet zum Kgr. Hannover.

Harz
[Lkr. Osterode am Harz; weiß ist das unbewohnte gem.-freie Gebiet Harz.] [Lkr. Goslar; weiß ist das unbewohnte gem.-freie Gebiet Harz.]

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Die Enklaven im unbewohnten Harzgebiet (St. Andreasberg, Lautenthal, Clausthal-Zellerfeld) stellen den Oberharz dar. In ihm wird heute auch Hochdeutsch mit ostfälischem Substrat gesprochen. Traditioneller Dialekt ist allerdings das Oberharzische, ein erzgebirgischer Dialekt. Im übrigen Gebiet sind die traditionellen Dialekte Westharzisch und Okerisch, beide ostfälische Dialekte. In Bad Sachsa am Südrand des Lkr. Osterode am Harz sind die traditionellen Dialekte bereits nordthüringisch. Durch die deutsche Teilung und die resultierende Trennung von Thüringen hat sich auch dort heute Mediendeutsch bzw. Hochdeutsch mit ostfälischem Substrat durchgesetzt.

"Region Hannover"

[Region Hannover ist der offizielle Titel einer Verwaltungseinheit mit Zentrum Hannover]

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Allgemeine Umgangssprache ist Mediendeutsch mit leichten norddeutschen Einflüssen. Die mittlere und ältere Generation spricht Hochdeutsch noch mit deutlicher regionaler Aussprache, die möglicherweise durch ostfälisches Substrat zu erklären ist. Die ursprüngliche Sprache Hannovers, das ostfälische Niedersächsische ("Plattdeutsch"), ist in Hannover ausgestorben, um Hannover kurz davor. Nordwestlich Hannovers verlieren sich die ostfälischstämmigen Besonderheiten in der Sprache der Bewohner zugunsten mehr allgemein "norddeutscher".

Die Hannoveraner Aussprache der mittleren und älteren Generation, die ähnlich im ganzen ostfälischen Raum gesprochen wird, hatte früher besonders hohes Prestige. In Süddeutschland entstand daher die Mär, daß Hochdeutsch auf der traditionellen Sprache Hannovers basiere. Das Stadthannoversche Ostfälische ist allerdings erst nach dem 2. Weltkrieg ausgestorben.

Innerhalb des ostfälischen Sprachgebiets bildete Hannover und das Gebiet südöstlich davon die Übergangszone zum Nordniedersächsischen. Die Dialekte wurden als Kalenberger Platt zusammengefaßt. Die Dialekte nordwestlich Hannovers wurden bereits zum Nordniedersächsischen gezählt (wo sie die Übergangszone zum Ostfälischen bilden). Das Ostfälische unterscheidet sich stark von anderen Varianten des Plattdeutschen (allerdings oft in paralleler Entwicklung zum Westfälischen), durch viele Diphthonge, Bewahrung des Dativs von Substantiven, Vorsilbe e- bei Partizipien, mik, dik für `mich/mir, dich/dir' usw. Im Südostfälischen sind diese Besonderheiten besonders ausgeprägt. Nach Norden hin nehmen sie zunehmend ab. Um Hannover sind bzw. waren sie noch vorhanden, aber in geringerem Maße als in Südostfalen.

Braunschweiger Land

[Wolfsburg (Norden), Braunschweig und Salzgitter (Süden)(alle grün) und die Lkr. Helmstedt, Wolfenbüttel und Peine; Helmstedt im äußersten Osten ist durch eine rote Linie von Wolfenbüttel geteilt, das außerdem eine Gemeinde westl. von Salzgitter hat; Peine ist im Nordwesten.]

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Lkr. Hildesheim

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Im Zentrum der Stadt Hildesheim wird bereits seit Anfang des 20. Jhs. Hochdeutsch gesprochen, das Umland einschl. vieler heute eingemeindeter Orte hat das Hildesheimer Platt bis nach dem 2. Weltkrieg bewahrt. Heute ist es wohl als ausgestorben zu betrachten, in Stadt wie Land. Dabei hat sich zunächst ein charakteristisches Substrat bewahrt, das erst in der Sprache der nach ca. 1980 geborenen aufgegeben wurde. Dieses ostfälische Hochdeutsch, das stark dem Hannoveraner und Celler Hochdeutsch ähnelt, das lange als bestmögliche Aussprache des Hochdeutschen galt, sticht durch seine besondere "helle" Färbung des Lautes A und weiterer Besonderheiten, wie der Bewahrung von silbenauslautendem R in Form von ch (Garten als "Gachten") hervor. Die nach ca. 1980 geborenen sprechen weitgehend Mediendeutsch mit geringen lokalen Eigenheiten.

Kulturell ist das Hildesheimer Land weitgehend in das übrige Ostfalen integriert, obwohl Teile von ihm neben dem Untereichsfeld die einzigen katholischen Gebiete im sonst lutherischen Ostfalen sind. Katholisch sind dabei traditionell die sog. Hildesheimer Stiftsdörfer sowie ca. ein Drittel der ursprünglichen Stadt Hildesheim. Ein Teil der Stiftsdörfer ist heute Teil der Stadt Hildesheim (z.B. Moritzberg und Himmelsthür). Um 1815 waren hier jeweils noch um die 100% der Bevölkerung katholisch, heute ist der Anteil durch Einwanderung stellenweise auf um die 50% gesunken.

Emil Mackel (1939): Deutsche Mundarten: Weserostfälisch, 1. Grubenhagen-Göttingisch, 2.Ostkalenbergisch (Arbeiten aus dem Institut für Lautforschung an der Universität Berlin; 8), Berlin: Institut für Lautforschung an der Universität Berlin (in Kommission bei Harrassowitz, Leipzig).
Wikipedia.

Lkr. Nienburg

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Nord(ost)niedersachsen
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Im nordniedersächsischsprachigen Nord(ost)en (im wesentlichen die Lüneburger Heide, das Elbe-Weser-Dreieck und die Mittelweser) sind die Dialekte auch bedroht, aber nicht ganz so extrem wie in Ostfalen. Auf dem Lande gibt es noch hier und da Dialektsprecher, in einigen Regionen, vor allem nach Norden hin, sind sie in den oberen und mittleren Altersklassen sogar in der Mehrheit. Das Hochdeutsche orientiert sich, je weiter man nach Norden kommt, schon an der in Hamburg üblichen Sprechweise.

Im Wendland im äußersten Nordosten wurde bis ins 17. Jh. eine slawische Sprache gesprochen. Diese wurde durch einen ostniederdeutschen Dialekt, das Wendländische, ersetzt, der heute gleichfalls vom Aussterben bedroht ist.

Zusammenfassend nimmt das wendländische Sprachgebiet den Landkreis Lüchow-Dannenberg, das nordniedersächsische Gebiet einen kleinen Teil des Landkreises Schaumburg und der Region Hannover, den größten Teil der Landkreise Celle und Uelzen sowie die Landkreise Nienburg (der allerdings trotz seiner sprachlichen Zugehörigkeit eher nach Hannover orientiert ist), Verden, Osterholz-Scharmbeck, Cuxhaven, Stade, Rotenburg an der Wümme, Harburg, Lüneburg und Soltau-Fallingbostel.

Geschichte
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Das erste Volk, von dem wir wissen, sind (nordsee)germanische Stämme, die seit dem 1. Jts.v.Chr. das Land besiedelten. Um die Zeitenwende waren sie für einige Jahre unter römischer Herrschaft, die sie aber noch in ihren Anfängen abwehren konnten; wichtig war hier vor allem die Varus-Schlacht 9n.Chr. bei Kalkriese, heute Stadt Bramsche, Landkreis Osnabrück im Südwesten des Landes. Hier wohnten z.B. die Cherusker.

Durch Vereinigung und Eroberung entstanden aus diesen Stämmen in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten zwei germanische Völker: Friesen und Sachsen. Die Friesen siedelten an der Küste, die Sachsen im Rest des Landes. Der äußersten Osten, etwa der Landkreis Lüchow-Dannenberg, wurde allerdings in dieser Zeit verlassen und um 600 von Slawen neubesiedelt. Am Südrand des Harzes wiederum gibt es kleine Gebiete, die nicht zum sächsischen Siedlungsgebiet gehörten, heute aber zum Bundesland Niedersachsen. Die Sachsen wurden in drei Teilstämme unterteilt: die Westfalen, die Ostfalen und die Engern zwischen beiden. Die Engern gingen später in Ostfalen und vor allem Westfalen auf, die anderen beiden Teilstämme haben sich bis heute erhalten, wenn sie auch sozusagen nur "unterbewußt" vorhanden sind. Die heutigen Dialektunterschiede gehen allerdings nach allgemeiner Auffassung teilweise auf Neuerungen zurück, zumindest im westfälischen Raum. Diese Neuerungen überschritten nur in Osnabrück und im Südkreis Osnabrück die Landesgrenze; diese Gebiete gelten daher als (traditionell) westfälischsprachig.

Im 8. Jh. verließen die Sachsen das Land Wursten, Friesen rückten nach. Außerdem kolonisierten Friesen das vorher unbewohnte Saterland an der Grenze zwischen friesischem und sächsischem Gebiet.

Um 800 wurden Sachsen und Friesen von den Franken unterworfen und in der Folge christianisiert. Die Franken bemühten sich recht erfolgreich, die Erinnerung an die sächsische und friesische Kultur zu löschen. Lediglich die Sprache blieb, wenn auch mit starkem fränkischen Superstrat. Auch die zahlreichen Franken, die auf sächsischem Gebiet angesiedelt wurden, assimilierten sich mit der Zeit sprachlich.

Um 900 begann die Ostkolonisation, in deren Verlauf auch die slawischen Gebiete in Nordostniedersachsen erobert wurden. Germanischsprachige siedelten sich an, allerdings hielt sich das Slawische, hier Wendische oder Wendländisch genannt, bis ins 17. Jh. Im Mittelalter wurden das Land Hadeln und das Alte Land erstmals besiedelt, zum Teil von Niedersächischsprechern, zum Teil von Niederländern, die sich aber sprachlich assimilierten.

Auf friesischem Gebiet entstanden weitgehend unabhängige Häuptlingstümer. Als diese zu einer Grafschaft vereint wurden (um 1450), begann die Ablösung des Friesischen durch das Sächsische, das nun Mittelniederdeutsch oder Niedersächsisch (da eine ursprünglich slawische Region im heutigen Ostdeutschland den Namen Sachsen angenommen hatte) genannt wurde. Nur auf Wangeroge, im Land Wursten und im Saterland hielt sich das Friesische. Im Land Wursten starb das Friesische im 17. Jh., auf Wangeroge um 1930 aus. Das Saterland ist noch heute friesischsprachig.

Im Spätmittelalter entstand im Oberharz eine mitteldeutschsprachige (genauer: erzgebirgischsprachige) Bergmannkolonie, in einem Stadtteil von Braunschweig in der frühen Neuzeit außerdem eine kleine pfälzische Sprachinsel.

Schriftsprache war in Niedersachsen seit der fränkischen Eroberung hauptsächlich Latein. Im hohen Mittelalter gesellte sich das Sächsische, nun Mittelniederdeutsch genannt, dazu, auch im friesischen Gebiet. Lediglich die Minnedichtung orientierte sich an süddeutschen Vorbilden und wurde auf Mittelhochdeutsch komponiert. Im 16. Jh. wurde die westliche Christenheit in ein protestantisches und ein katholisches Lager geteilt, ersteres bald darauf in ein lutherisches und ein reformiertes (Niedersachsen ist übrigens neben Bayern das einzige Land in Deutschland, in dem diese Unterscheidung heute noch "kirchenrechtlich" eine Rolle spielt). Diese Spaltung festigte sich in Niedersachsen erst im 30jährigen Krieg im 17. Jh. Seitdem ist das westliche Drittel vornehmlich katholisch, die östlichen zwei Drittel vornehmlich lutherisch. Ausnahmen sind: die Region um Hildesheim im Osten (katholisch), das Eichsfeld (katholisch), die Region um Oldenburg sowie das östliche Ostfriesland (lutherisch), das westliche Ostfriesland und die Grafschaft Bentheim (reformiert); außerdem ist die Gegend um Lingen gemischt reformiert-katholisch, der Landkreis und die Stadt Osnabrück gemischt katholisch-lutherisch.

In den refomierten Gebieten wurde im 16./17. Jh. das Mittelniederdeutsche und das Latein zunehmend durch das Niederländische als Schriftsprache ersetzt, in den lutherischen und katholischen zunehmend durch das Neuhochdeutsche. Erst Anfang des 20. Jhs. gingen auch die reformierten Gebiete zum Hochdeutschen als Schriftsprache über.

Im 19. Jh. begann die Oberschicht einiger Städte im Osten des Landes dieses Neuhochdeutsche als Umgangssprache anzunehmen. Dabei entstand eine neue Aussprachenorm für diese Sprache, basierend auf einer Mischung der bisherigen (ober-)sächsischen Aussprachenorm mit dem in der Gegend ansässigen Ostfälischen. Auch in die Grammatik floß ein ostfälisches Substrat ein. Um die Wende zum 20. Jh. begann sich diese Sprache auch auf die übrigen Schichten auszudehnen. Später begann auch das ländliche Gebiet das Neuhochdeutsche zu übernehmen, im westfälischen Gebiet seit dem 2. Weltkrieg, im ostfälischen schon früher, im übrigen Land seit etwa 1970. Heute sind die traditionellen Mundarten in den großen Städten wie Hannover, Braunschweig, Osnabrück wohl ausgestorben (in jüngerer Zeit eingemeindete Gebiete ausgenommen), in den übrigen Gebieten sprechen sie nur noch die mittlere oder/und ältere Generation, also je nach Region die über 40jährigen bis die über 70jährigen. Jüngere Sprecher sind außerhalb Ostfrieslands eine Minderheit. Dabei sinkt die Zahl der Situationen, in denen das Niedersächsische gebraucht wird, drastischer als die Zahl der Sprachbeherrscher. Passiv versteht unter den Niedersachsen mit einheimischem Hintergrund noch eine Mehrheit die Sprache, vielleicht mit Ausnahme Ostfalens.

Dieser Befund gilt auch für die wenigen nicht-niedersächsischsprachigen Gebiete: Südharz, Oberharz, (Wendland), pfälzische Insel in Braunschweig. Lediglich im Saterland gibt es eine Sprachpflegebewegung, durch die die Sprache auch unter Jüngeren noch verbreitet ist. Dabei spricht, wer Saterfriesisch kann, in der Regel auch (hümmlingisches bzw. südoldenburgisches) Niedersächsisch.

Wikipedia.
Rudolf Post (²1992): Pfälzisch. Einführung in eine Sprachlandschaft, Landau/Pfalz: Pfälzische Verlagsanstalt.
Yaron Matras/Gertrud Reershemius (2003): Low German (East Frisian dialect)(Languages of the World/Materials; 421), München: Lincom.
Rainer Krawitz (1987): Ostfriesland mit Jever und Wangerland. Über Moor, Geest und Marsch zum Wattenmeer und zu den Inseln Borkum, Juist, Norderney, Spiekeroog und Wangeroge (DuMont Landschaftsführer), Köln: DuMont.
K. Heeroma (1964): Stratigrafie van de Oostnederlandse volkstaal, in: Heeroma, K. en Naarding, J.: Oostnederlands. Bijdragen tot de geschiedenis en de streektaalkunde van Oost-Nederland, 's Hertogenbosch.
Mijdert Bertram (2003): Das Königreich Hannover. Kleine Geschichte eines vergangenen deutschen Staates, Hannover: Hahnsche Buchhandlung.


Lkr. Harburg

Lkr. Stade

Lkr. Osterholz

Lkr. Verden

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