Offizielle Amtssprache: Deutsch
Einheimische Umgangssprachen: ·Hochdeutsch, Niedersächsisch, Saterfriesisch
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Das ehem. Land Oldenburg entspricht den heutigen Lkr. Friesland, Wesermarsch, Ammerland, Oldenburg, Cloppenburg und Vechta nebst den kreisfreien Städten Wilhelmshaven (Innenstadt erst seit 1937), Delmenhorst und Oldenburg. Lediglich der heutige Ortsteil Vörden der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden im Lkr. Vechta war bis 1972 Teil des Lkr. Bersenbrück und gehörte bis 1945 zur Hannover. Sie wird unter dem Eintrag zum Osnabrücker Land behandelt.
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| [Lkr. Ammerland] | [Lkr. Oldenburg sowie Oldenburg (Old.) und Delmenhorst (beide heller gefärbt)] |
Früher sprach man Nordoldenburgisch, das in gewisser Weise den Übergang vom Ostfriesischen Platt zu den anderen westniedersächsischen Dialekten darstellt. Heute herrscht westniedersächsisch beeinflußtes Hochdeutsch vor.
Das Oldenburger Land oder Nordoldenburg besteht aus den Landkreisen Oldenburg, Ammerland und Wesermarsch (letzterer wird auch zu Ost-Friesland im weiteren Sinne gezählt) sowie aus den Städten Oldenburg und Delmenhorst.
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| [Lkr. Friesland und Wilhelmshaven] | [Lkr. Wesermarsch] |
Ostfriesland und das oldenburgische Friesland sind (neben Holstein) eine der Hochburgen des Niedersächsischen in Deutschland. Sie unterscheiden sich auch von anderen Regionen dadurch, daß die meisten Sprecher des Niedersächsischen aus dieser Region sich ihrer Sprache nicht schämen, wie es fast überall unter Niedersächsischsprechern in Deutschland heute die Regel ist.
Dennoch setzt sich auch hier vor allem in den Städten und aufgrund des Tourismus auch an der Küste und auf den Inseln das Hochdeutsche mit vergleichsweise geringem niedersächsischen Substrat durch. Unter der Generation der unter 30jährigen ist es wohl bereits die Muttersprache der Mehrheit de Bevölkerung. Ein regionales Bewußtsein bzw. ein "Stolz" auf Ostfriesland/das oldenburgische Friesland existiert übrigens auch unter Hochdeutschsprechern.
Eine Besonderheit stellt die Stadt Wilhelmshaven dar. Sie wurde im 19. Jh. als preußische Kolonie gegründet und war bis 1937 eine preußische Enklave, umgeben von oldenburgischem Gebiet (1937 wurde sie mit der oldenburgischen Stadt Rüstringen und den Gemeinden Rüstersiel und Kniphausen vereinigt und oldenburgisch). Man spricht hauptsächlich Hochdeutsch mit norddeutscher Aussprache (zumindest in den schon vor 1937 wilhelmshaverischen Stadtteilen). "Platt" ist nicht verbreitet.
An der Küste und auf den Inseln stellen die Feriengäste im Sommer einen großen Teil der Bevölkerung. Sie kommen aus ganz Deutschland, die meisten kommen wohl aus dem Ruhrgebiet. Auch unter den ständigen Einwohnern dieser Gebieten findet man viele Zugereiste. Sie sprechen in der Regel so, wie sie es von ihrer Heimat gewohnt sind bzw. bemühen sich, Hochdeutsch zu sprechen, wenn sie aus Regionen kommen, in denen der Dialekt noch stark ist, aber nicht außerhalb der Region gesprochen wird (z.B. Pfalz, Baden-Württemberg).
Geschichte
Ostfriesland und das ostfriesische Oldenburg haben bis vor einigen Jahrzehnten eine eigenständige Entwicklung durchlebt; auch der Kontakt zu den angrenzenden Regionen, vor allem nach Süden, ist traditionell eher gering. Seit dem Mittelalter ist die Region Heimat der Friesen. Diese sprachen Friesisch, also die Variante der Nordseegermanischen, die die nordseegermanischen Neuerungen am konsequentesten durchgeführt hat.
Ende des 8. Jh. kam das Gebiet zusammen mit Sachsen unter die Herrschaft des fränkischen Reichs. Der fränkische Einfluß war hier aber geringer als in Sachsen. Im Hochmittelalter teilten sich verschiedene Häuptlinge die Herrschaft im Land.
Am Ende des Mittelalters einte die Familie Cirksena den größten Teil des historischen Ostfrieslands unter ihrer Herrschaft. So entstand die Grafschaft Ostfriesland. Dabei blieb der Osten außerhalb der Grafschaft; er wird seitdem nicht mehr zu "Ostfriesland" gezählt, sondern als eigene Region betrachtet (heute Oldenburgisches Friesland oder Jeverland). Zumindest sprachlich blieb die Entwicklung in beiden Teilen aber parallel.
In dieser Zeit wich auch die friesische Umgangssprache zunehmend dem Niedersächsischen. Nur im Harlingerland, im Land Wursten und auf Wangeroge hielt sich das Friesische. Im Harlingerland und im Land Wursten starb es im 18. Jh. aus.
Dabei wurde vornehmlich die mittelniederdeutsche Hochsprache als Umgangssprache übernommen, die dann später durch das Niederländische und benachbarte Dialekte modifiziert wurde. Wenig später setzte sich die Reformation in beiden Ostfrieslands durch. Dabei wurde der äußerste Westen durch den Kontakt mit den Niederlanden reformiert, das übrige Land lutherisch. So wurde auch durch die konfessionelle Grenze der Kontakt mit dem Süden geringer.
Im 16. Jh. setzte sich dann, relativ kurz nach der Übernahme des Niedersächsischen als Umgangssprache, das Hochdeutsche als Schriftsprache durch. Vorher waren Latein und Mittelniederdeutsch Schriftsprachen gewesen, in geringerem Maße auch Altfriesisch (bis ca. 1400) und Spätaltfriesisch.
Seit Ende des 19. Jhs. begannen in den Städten die ersten Menschen aus der Oberschicht, Hochdeutsch als Umgangssprache anzunehmen, wie es in benachbarten Regionen schon gang und gäbe geworden war. 1950 starb auch das Wangeroger Friesische aus, zunächst noch zugunsten des Niedersächsischen. Seit dem 2. Weltkrieg erreichte die Entwicklung hin zum Hochdeutschen auch die übrigen Schichten der städtischen Bevölkerung, seit ca. den 70er Jahren auch die ländlichen Gebiete. In der jüngsten Generation sind die Hochdeutsch-Sprecher bereits in der Mehrheit, auch dank der Einwanderung von Nicht-Friesen in die Feriengebiete.
Das oldenburgische Ostfriesland besteht aus dem Landkreis Jever, in einer weiteren Definition auch noch aus dem Lkr. Wesermarsch, der ebenfalls ursprünglich friesischsprachig ist. Die Stadt Wilhelmshaven ist als ursprüngliche preußische Kolonie eigentlich nicht (mehr) Teil Oldenburgisch-Frieslands, wird hier aber darunter subsumiert.
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| [Lkr. Cloppenburg; das Saterland ist grün markiert, die Hümmlinger Dörfer Wachtum (Löningen), Gehlenberg und Neuvrees (Friesoythe) hellgelb] | [Lkr. Vechta; die grüne Fläche ist
Vörden, heute Teil der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden – Vörden gehörte bis 1972 zum Lkr. Bersenbrück, war nie oldenburgisch] |
Das Oldenburger Münsterland bildet zusammen mit dem Lkr. Emsland und dem Osnabrücker Land das traditionell katholische Westniedersachsen. Allgemeine Umgangssprache waren bis vor wenigen Jahren die westniedersächsischen Dialekte der Region. Seit den 60er Jahren findet allerdings ein Sprachwechsel statt. Die seitdem Geborenen wachsen in der Regel auf Hochdeutsch auf, wenn auch mit deutlichem Substrat des Westniedersächsischen. Damit gibt es heute grob gesagt zwei Umgangssprachen: Westniedersächsisch unter den Über-50-Jährigen, die gemeinsam aufgewachsen sind, westniedersächsisch beeinflußtes Hochdeutsch in allen anderen Fällen.
Im Lkr. Cloppenburg liegt als eine Sprachinsel das Saterland. Hier wird traditionell Saterländisch gesprochen, der letzte Rest des ostfriesischen Friesisch (die Saterländer sind gleichzeitig die einzigen katholischen Friesischsprecher). Aufgrund der Sprachpflege und eines größeren kulturellen Selbstbewußtseins ist das Saterfriesische weit weniger bedroht als das Niedersächsische. Die meisten Saterländer beherrschen neben Saterfriesisch Niedersächsisch und natürlich Hochdeutsch. Auch im Saterland sprechen aber viele jüngere Menschen heute (friesisch und westniedersächsisch beeinflußtes) Hochdeutsch. Die friesische Sprachinsel geht wahrscheinlich auf Einwanderung im Mittelalter zurück. Auch für weite Teile des übrigen Emslands, Hümmlings und Oldenburger Münsterlands gibt es aber Theorien früherer friesischer Besiedlung.
Geschichte (ohne Saterland)
Nach einer allerdings wenig verbreiteten Theorie lebten in der Region in den Jh. v.Chr. das Volk oder die Völker des Nordwestblocks. Sie sind wohl mit den bei Caesar erwähnten Belgen zu identifizieren oder mit ihnen verwandt. Die Verfechter der Theorie gehen von einer sprachlichen Verwandtschaft mit den antiken Venetern in Norditalien aus. Spätestens seit dem 1. Jh.v.Chr. sickerten aber Rhein-Weser-Germanen ein. Um die Zeitenwende wurden die Belgen germanisiert. Nach verbreiteteren Theorien sind die Germanen innerhalb des 1. Jts.v.Chr. eingewandert. Das Gebiet gehörte wohl zum Stammesgebiet der Cherusker. Etwa um 10v.Chr. wurde das Gebiet von den Römern erobert und befand sich auf dem Wege, römische Provinz zu werden, als 9n.Chr. in Kalkriese, heute ein Stadtteil von Bramsche, die Varusschlacht oder Schlacht am Teutoburger Wald stattfand. Sie war der Auftakt einer Reihe von Auseinandersetzungen, in deren Gefolge sich die Römer hinter den Rhein zurückzogen.
Im 3. Jh. eroberten die Sachsen die Region. Sie sprachen im Gegensatz zur einheimischen Bevölkerung nordseegermanische Dialekte, das Uraltsächsische – das Sächsische enthielt dabei allerdings nicht alle nordseegermanischen Neuerungen, war also kein typischer Vertreter der Sprachunterfamilie (vielleicht sind die nicht-nordseegermanischen Elemente aber auch auf das rheinwesergermanische Substrat der Unterworfenen zurückzuführen). Sachsen wanderten ein. Das Sächsische setzte sich als Umgangssprache durch, vielleicht mit vorsächsischem Substrat, jedenfalls entstanden in der Region "westfälische" Dialekte. Das Volk der Sachsen teilte sich zu der Zeit nämlich in die Stämme der Westfalen, Engern und Ostfalen.
Ende des 8. Jhs. eroberten die Franken die Region. Fränkische Adlige wanderten ein. Im Laufe der Zeit wurde das Uraltsächsische durch ein fränkisches Superstrat stark verändert, verlor einen großen Teil seiner nordseegermanischen Besonderheiten; es entstand das noch ein bißchen weniger typisch nordseegermanische Altsächsische. Es blieb aber eine eigene Sprache, die auch noch als Teil des Nordseegermanischen angesehen werden kann. Seit der fränkischen Zeit kam zum ersten Mal eine Schriftsprache in die Region, das Lateinische.
Nach der Teilung des Fränkischen Reichs kam die Region zum Ostfränkischen Reich, später Hl. Römisches Reich Dt. Nation genannt. Innerhalb dessen bildete sich das Hzt. Sachsen. Dieses wurde 1180 zerschlagen. Es bildeten sich lokale reichsunmittelbare Territorien. Die Herrschaft Vechta gehörte zunächst zur Gft. Ravensberg, 1252 fiel sie als Amt Vechta an das Fürstbistum Münster. Die Herrschaft Cloppenburg war Teil der Gft. Tecklenburg und fiel erst 1380 an Münster. Seit 1380 bildete das ganze spätere "Oldenburger Münsterland" die östliche Hälfte des Niederstiftes Münster. Im 16. Jh. wurde eine gemäßigte Form des Luthertums eingeführt. Anfang des 17. Jhs. wurde die Region aber rekatholisiert, der Adel schloß sich der katholischen Kirche erst Ende des Jhs. wieder an. Seitdem ist die Region rein katholisch. Erst durch die Vertriebenen des 2.Weltkrieg sind in meßbarer Zahl Protestanten in die Region gekommen. 1803-1810 und 1813-1946 gehörte die Region zum Land Oldenburg (1815-1823 Hzt. Holstein-Oldenburg, 1823-1829 Hzt. Oldenburg, 1829-1918 Ghzt. Oldenburg, 1918-1945 Freistaat Oldenburg, 1945-1946 Land Oldenburg). Seitdem ist es Teil des Landes Niedersachsen, in dem das Land Oldenburg bis 1978 einen besonderen Verwaltungbezirk bildet. Oldenburgisches Bewußtsein hat sich erst nach dem Anschluß an Niedersachsen in der Region ausgebildet. Nach dem 2. Weltkrieg kamen viele Flüchtlinge aus dem Osten Deutschlands in die Region, vor allem aus Schlesien. Sie stellten anfangs ein Viertel, später noch ein Fünftel der Bevölkerung. Sie haben wohl den späteren Sprachwechsel zum Hochdeutschen forciert.
Sprachlich ist die Region seit der sächsischen Einwanderung Teil der westniedersächsischen Dialektgruppe. Es gab seit der fränkischen Eroberung Phasen jeweils größerer Beeinflussung durch das Fränkische bzw. Deutsche. Dadurch haben sich die Dialekte dem Deutschen angenähert. Sie sind aber bis heute als eigene Sprache anzusehen, sie stehen den deutschen Dialekten immer noch ferner als z.B. das Niederländische, auch wenn in jüngster Zeit die Dialekte immer stärker von hochdeutschen Fremdwörtern überschwemmt werden.
Schriftsprache war hier länger als in südlicheren Regionen das Lateinische. Seit dem 14. Jh. trat das Mittelniederdeutsche hinzu, ohne das Latein ganz als Amtssprache zu verdrängen. Erst im 16. Jh. wurden beide durch das Neuhochdeutsche abgelöst. Dieses ist seitdem primäre Schriftsprache der Region geblieben.
Auch wenn Teile des Adels möglicherweise seit dem 19. Jh. begannen, Hochdeutsch als Umgangssprache anzunehmen, blieb bis in die 1960er Jahre das Westniedersächsische die primäre Umgangssprache, die zunächst auch noch viele der (jüngeren) Ostflüchtlinge nach 1945 erlernten. Dann fand aber in großem Tempo ein Sprachwechsel vom Niedersächsischen zu einem deutlich niedersächsisch beeinflußten Hochdeutsch statt (vor allem in der Aussprache). Diese führte bald dazu, daß nur noch Menschen, die sich bereits in den 60er Jahren oder früher kannten, miteinander "Platt" sprachen. Die seitdem geborenen Generationen lernen es nicht mehr bzw. nur noch eine sehr kleine Minderheit von ihnen. Heute ist Hochdeutsch die primäre Umgangssprache, fast nur Personen über 50 sprechen untereinander noch "Platt". In jüngster Zeit findet das Niedersächsische erstmals seit dem Mittelalter wieder den Weg in die Schulen. Die Schüler gewinnen allerdings jeweils nur rudimentäre Kenntnisse der Sprache. In den Jahrzehnten seit den 60ern hat auch das Substrat kontinuierlich abgenommen. Schon eine plattdeutsche Aussprache verbinden die meisten jüngeren Südoldenburger heute mit alten oder zumindest mittelalten Leuten. Eine Bildungsschichtung von Niedersächsisch und Hochdeutsch ist allerdings in geringerem Maße der Fall als in anderen nordwestdeutschen Regionen. Vor allem in der Aussprache ist das Substrat vornehmlich vom Alter abhängig und nur gering von der Schul- und evtl. Universitätsbildung.
Die Lkr. Cloppenburg und Vechta erhielten 1977 ihre heutige Form. Dabei kamen die Gemeinden Wachtum, Gehlenberg und Neuvrees vom Lkr. Aschendorf-Hümmling zum Lkr. Cloppenburg, Vörden zum Lkr. Vechta. Vörden hatte davor zum Lkr. Bersenbrück gehört und ist Teil des Osnabrücker Landes. Die übrigen Gemeinden sind Teil des Hümmling; dabei hatte Wachtum 1815-1863 zu Oldenburg gehört.
Wikipedia.
Yaron Matras/Gertrud Reershemius (2003): Low German (East Frisian
dialect)(Languages of the World/Materials; 421), München: Lincom.
Rainer Krawitz (1987): Ostfriesland mit Jever und Wangerland. Über Moor, Geest
und Marsch zum Wattenmeer und zu den Inseln Borkum, Juist, Norderney, Spiekeroog
und Wangeroge (DuMont Landschaftsführer), Köln: DuMont.
K. Heeroma (1964): Stratigrafie van de
Oostnederlandse volkstaal, in: Heeroma, K. en Naarding, J.:
Oostnederlands. Bijdragen tot de geschiedenis en de streektaalkunde van
Oost-Nederland, 's Hertogenbosch.
Heinrich Book (p. M.)
Albrecht Eckhardt (Hrsg.)(1987): Geschichte des Landes Oldenburg: ein Handbuch
(Oldenburgische Monographien), Oldenburg/Old.: Holzberg.
http://www.dorfgemeinschaft-wachtum.de/schlaglichertgeschichte.html.