Offizielle Amtssprache: Deutsch
Einheimische Umgangssprachen: ·Hochdeutsch, Ostfriesisches Platt
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Ostfriesland und das oldenburgische Friesland sind (neben Holstein) eine der Hochburgen des Niedersächsischen in Deutschland. Sie unterscheiden sich auch von anderen Regionen dadurch, daß die meisten Sprecher des Niedersächsischen aus dieser Region sich ihrer Sprache nicht schämen, wie es fast überall unter Niedersächsischsprechern in Deutschland heute die Regel ist.
Dennoch setzt sich auch hier vor allem in den Städten und aufgrund des Tourismus auch an der Küste und auf den Inseln das Hochdeutsche mit vergleichsweise geringem niedersächsischen Substrat durch. Unter der Generation der unter 30jährigen ist es wohl bereits die Muttersprache der Mehrheit de Bevölkerung. Ein regionales Bewußtsein bzw. ein "Stolz" auf Ostfriesland/das oldenburgische Friesland existiert übrigens auch unter Hochdeutschsprechern.
An der Küste und auf den Inseln stellen die Feriengäste im Sommer einen großen Teil der Bevölkerung. Sie kommen aus ganz Deutschland, die meisten kommen wohl aus dem Ruhrgebiet. Auch unter den ständigen Einwohnern dieser Gebieten findet man viele Zugereiste. Sie sprechen in der Regel so, wie sie es von ihrer Heimat gewohnt sind bzw. bemühen sich, Hochdeutsch zu sprechen, wenn sie aus Regionen kommen, in denen der Dialekt noch stark ist, aber nicht außerhalb der Region gesprochen wird (z.B. Pfalz, Baden-Württemberg).
Geschichte
Nach einer allerdings wenig verbreiteten Theorie lebten in der Region in den Jh. v.Chr. das Volk oder die Völker des Nordwestblocks. Sie sind wohl mit den bei Caesar erwähnten Belgen zu identifizieren oder mit ihnen verwandt. Die Verfechter der Theorie gehen von einer sprachlichen Verwandtschaft mit den antiken Venetern in Norditalien aus. Spätestens seit dem 1. Jh.v.Chr. sickerten aber Nordseegermanen ein. Um die Zeitenwende wurden die Belgen germanisiert. Nach verbreiteteren Theorien sind die Germanen innerhalb des 1. Jts.v.Chr. eingewandert. Die Region gehörte zum Stammesgebiet der Friesen. Diese sprachen Friesisch, also die Variante des Nordseegermanischen, die die nordseegermanischen Neuerungen am konsequentesten durchgeführt hat.
Ende des 8. Jh. kam das Gebiet zusammen mit Sachsen unter die Herrschaft des fränkischen Reichs. Der fränkische Einfluß war hier aber geringer als in Sachsen. Im Hochmittelalter teilten sich verschiedene Häuptlinge die Herrschaft im Land.
Am Ende des Mittelalters einte die Familie Cirksena das Land unter ihrer Herrschaft. So entstand die Grafschaft Ostfriesland; in der Folge wurde Ostfriesland auch faktisch in die Reichspolitik eingegliedert, während es sich vorher meist unabhängig von Entwicklungen im Reich weiterentwickelte. Dabei blieb der Osten außerhalb der Grafschaft (das Harlingerland wurde allerdings 1530 doch noch Teil der Grafschaft); er wird seitdem nicht mehr zu "Ostfriesland" gezählt, sondern als eigene Region betrachtet (heute Oldenburgisches Friesland oder Jeverland). Zumindest sprachlich blieb die Entwicklung dort aber parallel.
In dieser Zeit wich auch die friesische Umgangssprache zunehmend dem Niedersächsischen. Nur im Harlingerland (sowie im Land Wursten und auf Wangeroge außerhalb Ostfrieslands) hielt sich das Friesische. Im Harlingerland (und im Land Wursten) starb es im 18. Jh. aus.
Dabei wurde vornehmlich die mittelniederdeutsche Hochsprache als Umgangssprache übernommen, die dann später durch das Niederländische und benachbarte Dialekte modifiziert wurde. Wenig später setzte sich die Reformation in beiden Ostfrieslands durch. Dabei wurde der äußerste Westen durch den Kontakt mit den Niederlanden (kalvinistisch) reformiert (später entstanden hier lutherische "Inseln"), das übrige Land lutherisch. So wurde auch durch die konfessionelle Grenze der Kontakt mit dem (katholischen emsländisch-südoldenburgischen) Süden geringer.
Im 16. Jh. setzte sich dann, relativ kurz nach der Übernahme des Niedersächsischen als Umgangssprache, das Hochdeutsche als Schriftsprache durch. Lediglich in den reformierten Gebieten wurde stattdessen das Niederländische als Schriftsprache angenommen. Vorher waren Latein und Mittelniederdeutsch Schriftsprachen gewesen, in geringerem Maße auch Altfriesisch (bis ca. 1400) und Spätaltfriesisch. Zur Durchsetzung des Niederländischen trug auch bei, daß im 80jährigen Krieg (1580-1648) zwischen Spanien und den aufständischen Niederlanden viele Niederländer nach Ostfriesland flohen und sich dort ansiedelten (die meisten verließen Ostfriesland nach dem Krieg wieder).
Seit Ende des 19. Jhs. begannen in den (lutherischen) Städten die ersten Menschen aus der Oberschicht, Hochdeutsch als Umgangssprache anzunehmen, wie es in benachbarten Regionen schon gang und gäbe geworden war. Mit der Wende zum 20. Jh. gab auch das reformierte Gebiet seine niederländische Schriftsprache zugunsten des Hochdeutschen auf. Auch dort gab es bald danach die ersten Hochdeutsch-Sprecher. 1950 starb auch das Wangeroger Friesische aus, zunächst noch zugunsten des Niedersächsischen. Seit dem 2. Weltkrieg erreichte die Entwicklung hin zum Hochdeutschen auch die übrigen Schichten der städtischen Bevölkerung, seit ca. den 70er Jahren auch die ländlichen Gebiete. In der jüngsten Generation sind die Hochdeutsch-Sprecher bereits in der Mehrheit, auch dank der Einwanderung von Nicht-Ostfriesen in die Feriengebiete.
Weite Teile Ostfrieslands sind erst in späterer Zeit erschlossen worden. Vorher handelte es sich meist um Moorgebiete. So wurde der Brokmerland erst im Mittelalter besiedelt, das Rhauderfehn im äußersten Süden erst Ende des 18. Jhs.
(Das nicht-oldenburgische) Ostfriesland besteht heute aus den Landkreisen Leer, Aurich und Wittmund sowie der Stadt Emden.
Wikipedia.
Yaron Matras/Gertrud Reershemius (2003): Low German (East Frisian
dialect)(Languages of the World/Materials; 421), München: Lincom.
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Oostnederlandse volkstaal, in: Heeroma, K. en Naarding, J.:
Oostnederlands. Bijdragen tot de geschiedenis en de streektaalkunde van
Oost-Nederland, 's Hertogenbosch.
Pierre Brachin (1987): Die niederländische Sprache: eine Übersicht, Hamburg: Buske.